Eine Witwe greift nach den Kerlen (BILD + TON)

10 Jan

clownspinne

Na, alter Jammerlappen. Was macht heute Kummer? Heute!? Junger Freund, die Liebe schon wieder natürlich!

spätschichtSpätschicht! Der kleine, geflügelte Amor sichtet die Aufträge, die ihm der Alte gerade mit Rohrpost in sein Basislager gepustet hatte: Afrika – leicht! Asien – noch leichter! “Wird ne lockere Schicht.” denkt sich der Racker, aber dann erbleichen seine Rotbäckchen. “Sauerland, Dorf des Lichts. Höchste Priorität. Die Statistik ist erbärmlich. Erwarte Erfolge und persönlichen Bericht!”

Die Trefferquote für die buckelige Regenregion war nicht zufällig im Keller. Dauernde Misserfolgserlebnisse hatten Amor die Gegend verhasst gemacht. Selbst die höllenfeuerverzinkten Spezialpfeilspitzen, die er sich für hartherzige Sozialpolitiker, ARGE-Leiter, Banken- und Wirtschaftsbosse – alles Kroppzeug, für das der Alte selten schmiedeinen Auftrag erteilte – vom Teufel hatte schmieden lassen, prallten an den sauerländischen Geschöpfen ab oder verursachten nur akuten, kurzgebratenen Wahnsinn, manchmal einen Herzinfarkt! Für sich verbuchen konnten das dann nur die Kollegen der Abteilung “Tod”.

amorlos“Befehl ist Pflicht! Ich muss wohl mal wieder.” seufzt Amor, gibt die Koordinaten in den Bordcomputer der extraweichen Flugwolke ein, legt die CD: “Ich düse, düse im Sauseschritt und bring die Liebe mit” auf und gibt Gas – mit besorgter Mine, doch einer Idee im Kopf, die seinen schwächlichen Statistikdaten auf die Sprünge helfen könnte.

Das Melken der Kühe ist angesagt. Pawel, Knecht auf dem Hof der Spelsbergs, fummelt am Euter der dritten Milchspenderin und der weiße Saft rinnt in den Eimer.

eheSorgen plagen den Mittelalten. Heiligabend hatte ihm Maria, Magd auf dem Gehöft, ihre Schwangerschaft mitgeteilt und seine Fluchtgedanken sowie Vorschläge eines vorzeitigen Abbruchs dieses leidigen Ofenkeks waren ihm sowohl von Maria, als auch dem alten Hauke und Bauer Spelsberg, die von der jungen Frau eingeweiht worden waren, aus dem polnischen Kopf geschlagen worden. Dabei schlug sein Herz doch nur für Traktoren, Mofas und Mähdrescher! Was scherten ihn Weib und Kind, aber er sollte den ungeliebten, lästigen Ballast bald ans Bein gekettet bekommen. Aufgebot war bestellt. Verdammt!

An dieser Stelle setzt Amors Plan an. Er war in seinen Unterlagen auf den Fall Maria/Pawel gestoßen und rechnet sich nun gute Chancen aus, mit EINEM Schuss die Liebe eines selbstsüchtigen Technikidioten für ZWEI Menschenwesen wecken zu können. Gut für die Statistik und der Alte schätzt Effizienz. Kommt an. Legt an. PFEIL AB und…

melken…da regt sich Kuh “Lisa” über Pawels kalte Pfoten auf, die sie beleidigend belästigen, keilt aus und trifft das Gemächt des Knechts, der wie vom Blitz gesengt zu Boden geht. Amors Geschoss prallt auf den Melkeimer und zischt zur offenen Stalltür ins Freie hinaus, wo die Witwe Alwine Rosag, eine Zugereiste aus Bottrop, gerade über den Innenhof trippelt, um ihrer neuen Freundin Herta den alltäglichen Besuch abzustatten.

Der Liebespfeil durchbohrt den Hut der alten Dame und landet sausend einen Volltreffer: mitten ins Herz des Gockels “Fritz”, der stolz auf dem Misthaufen prangt und seine wuselig rumpickenden Hennen inspiziert. Die plötzlich eruptierende Liebesflut in ihm KLOPPT ihn förmlich von seinem Dunghocker.

In der bäuerlichen Küche feilschen das Ehepaar Spelsberg, der alte Hauke und Schrotthändler “Petzi”. Provisionen für das Weihnachtsbaumgeschäft sind fällig und vom Bauern an seine erfolgreichen Handelsvertreter bar auszuzahlen. Steuerfrei und in möglichst kleinen Scheinen.

hahnaufkopfLaut schluchzend und schreiend stürzt urplötzlich die aufgelöste Alwine in den Raum. Auf ihrer linken Schulter sitzt Hahn “Fritz”, den Gockelkamm zärtlich verliebt an die Wangen der Bangen geschmiegt und trompetet ein “Kikeriki” hinaus, das den Kuckuck der Uhr, der gerade die volle Stunde verkünden will, verstummen und sich beleidigt zurückziehen lässt.

krakeDie Herren springen geschlossen auf, um sich in Sicherheit zu bringen, aber die Panikwitwe wirft sich den Fliehenden mit offenen Greifarmen entgegen und verkrallt sich in die Kerle. Die drei werden von ihr umschlungen und die Arme vergräbt ihr Gesicht in Bauer Spelsbergs Bäuchlein – wimmernd und am ganzen Leib zitternd.

Der jetzt verstörte “Fritz” lässt sich widerstandslos von Herta aus der Schulter, in die er sich ähnlich verhakt hatte, wie Alwine in den Männerschutz, entfernen und wird mit einem beherzten Tritt zur Tür hinaus, Richtung Misthaufen befördert. Kosakenlikör und Doppelkorn renken den Gemütszustand der nicht weniger als der Hahn verstörten Menschen wieder halbwegs ein.

greifen“Nee, Winchen! Wie du dir die feigen Kerls gegriffen hast!” bewundert Herta ihre Freundin.

“Jaa, dat war romantisch! Bei euch im Dorf iss immer alles romantisch!”

Findet Amor nicht. Das wird er dem Alten erklären müssen. Aber erst mal auf nach Afrika. Da sind Liebes-Geschäfte reibungsloser abzuwickeln, als im Sauerland.

Die abgegriffenen Kerle schweigen und schlucken düster sinnend Doppelkorn.

Pawel kühlt seine empfindlichen Weichteil-Prellungen im nahen Bach, um die Schwellung auf Ballongrösse zu begrenzen. Sonst würde er die Buxe nicht mehr zu kriegen. AUA!

Morgen gibt es neuen Grund für neuen Kummer. Bis dahin, zio! 

 

 

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11 Antworten to “Eine Witwe greift nach den Kerlen (BILD + TON)”

  1. Melancholiee 10. Januar 2012 um 08:10 #

    Guten Morgen Zio,

    Ich war so vertieft am Lesen, dass ich gerade die Fahrausweiskontrollendame nicht bemerkt habe *hust*

    es sieht doch nicht so unmöglich aus bei euch, wenn wenigstens der sauerländische Hahn infiziert werden konnt, nicht?

    LG
    Mel 🙂

    • frankzio 10. Januar 2012 um 08:44 #

      Das ist sehr löblich, Mel, dass du offensichtlich nicht „schwarz“ fährst.
      Mich haben sie mal in der Schwebebahn „erwischt“. Das war aber ein Irrtum. Wollte doch nur in den empfehlenswerten Wuppertaler Zoo und ging davon aus, die Anfahrt sei im Eintritt inbegriffen.
      Das ist doch logisches Denken! Oder?
      Und, ja, du hast vollkommen Recht. Unmöglich ist hier nix!
      Denk nur an den Freiherrn. Der fällt zwar in die Kategorie „kurzgebratener Wahnsinn“ – aber immerhin!

      LG back, zio 😉

      • Melancholiee 10. Januar 2012 um 17:12 #

        schwarz weiß fahren kommt nicht in die Tüte, da ich schon seit geraumer Zeit meine Monatskarte besitze 😉

        @ logisches Denken: ja in der Tat, so wurde es ja auch in vielen Attraktionen früher gehandhabt, aber naja ich weiß das man mit der Seilbahn fahren kann, wenn man eine Eintrittskarte vom Kölner Zoo hat *g*

      • frankzio 10. Januar 2012 um 20:18 #

        Danke für deine Unterstützung 😉

  2. yuppidu 10. Januar 2012 um 13:20 #

    Da werde ich in Amors Katei Einsicht nehmen, damit ich weiß, wie die Brummigeschichte mit Marie gelaufen ist. Siche ist sicher! Amor sollte mal bei Robin Hood Nachhilfe nehmen, der wirkt ziemlich unkonzentriert. Was passiert eigentlich, wenn Amor sich selbst ins Bein schießt? Viele offene Fragen … YDu

    • frankzio 10. Januar 2012 um 13:50 #

      YDu, in deinem dringenden Fall wird kein vertrottelter Sendbote
      der Liebe gebraucht, der zu dämlich ist, um sich selbst ins Knie schiessen zu können.
      Rein männliche Tugenden müssen an die Front gerollt werden:
      Geduld, Beharrlichkeit, Einfühlungsvermögen, Humor und die uns eigene Ausstrahlung
      animalischer Kraft und genialen Intellekts.
      Weiter sind hilfreich eine Packung Weinbrandbohnen mit rosa Schleife drum und Gänseblümchen.
      Dann sieht man weiter, zio

      • GG 10. Januar 2012 um 17:56 #

        Prost Zio!

  3. frankzio 10. Januar 2012 um 20:13 #

    Ja, das ist eine SCHNAPSIDEE!Es mangelt schon sehr an Plausibilität.
    Stosse trotzdem etwas verlegen mit an 😉

  4. sweetkoffie 10. Januar 2012 um 20:35 #

    An den malträtierten Pawel denkt ihr gar nicht , die arme Sau tut mir wirklich leid.
    Wie gut, dass er sich schon vorher vervielfältigt hat.

    Tja und dann ein verliebter Gockel … davon soll es eine Menge geben, ha ick jehört. Der Amor-Azubi hat scheints öfters Ausgang …
    Sollte nun allerdings der Fall eingetreten sein, dass dieser Hahn jetzt nur noch auf Witwen fliegt … oder gar die Bottroper Witwe nur noch auf Hähne … nicht auszudenken was das für Folgen haben kann.

    *koppschüttel SK

  5. dienyx 18. Januar 2012 um 08:50 #

    Also der Armor. Was ist denn das für ein Laffe. Der kann ja mal gar nix. Bei mir hat er auch gepfuscht. DAS soll er mal dem Alten erklären. Und dann kann er seine Waffen gleich bei mir abliefern. Ich sorg mal dafür, dass das läuft!

    • dienyx 18. Januar 2012 um 08:51 #

      Da hat sich wohl ein freudscher Verschreiber eingeschlichen. Der Armor heißt natürlich immernoch Amor. Immerhin geht es hier um die Liebe und nicht um die Bewaffnung….wobei…

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