Jetzt wird in die Hände gespuckt! – Teil II

3 Jan

clownluftschloss

Na, alter Jammerlappen. Was macht heute Kummer? Heute!? Junger Freund, die Manipulierbarkeit der Medien natürlich!

Teil I in Kurzfassung: Eine flammende Rede – des Seneca oder gar eines Lothar Matthäus und mindestens des Edmund Stoiber würdig – hatte den Dörflern die Augen geöffnet. Die gute Luft ihrer Heimat konnte Wunder wirken. Das war bloß immer übersehen worden, da der Sauerländer nicht esoterisch oder sonst wie tickt. Aufgeklärt vom alten Hauke über die weiße Magie, strebt der Heimatverein des Ortes den Titel “Staatlich anerkannter Luftkurort” an. Der erste Schritt auf dem langen Weg zum Ziel: Pressearbeit!

ordenPulitzerpreis! Gastvorträge im “Radio Vatikan”, Auftritte bei “Wetten das!”, Angebote von ARD, RTL oder der “Praline”, eine zweiprozentige Gehaltserhöhung… alles ist jetzt drin. Zumindest eine wöchentliche Lieferung seines bevorzugten Getränks von Schorsch, dem Wirt der Spelunke “Dorfschänke” im Dorf des Lichts.

Benno Kowalski, “Johnny Walker”, Starreporter des “Sünderländer Volksblatt” sitzt in seinem Kabuff vor der Olymp Reiseschreibmaschine, geht seine Notizen noch einmal durch und rekapituliert in Gedanken den Neujahrstag.

vandalismusEr hatte mit dem Artikel: “Vandalen verwüsten Kaiser-Wilhelm-Park in Silvesternacht” begonnen. Zuvor war er nachts in die Anlage geschlichen, hatte Bänke umgeworfen, Mülltonnen zertrümmert und den Abfall abgefackelt, Büsche und Bäume mit einer Kettensäge bearbeitet, sein Schnapspullen-Leergut auf den Wegen zerdeppert, gesammelte Exkremente verschmiert und reichlich so ziemlich alles mit Spraylack verziert… Kurz und gut, er hatte sein Bestes gegeben, um für die erste Ausgabe des Blattes im “Neuen Jahr” spektakuläre Fotos und einen Topbericht, der die umbuhlte Leserschaft garantiert erreichen würde, abliefern zu können. Da rappelte das Telefon und Geschäftspartner Schorsch bat ihn dringend, sofort in die Schänke zu kommen, da hier Wunderbares auf ihn warte. “Whisky inklusive, bis zum Abwinken!”

waldiwunderNach Bennos fünftem Glas, von Schorsch immer bis zum Rand aufgefüllt, kamen sie alle, die wahrlich Wundersames zu berichten wussten: Oma Trine! Ihr Dackel “Waldi” hatte während eines Besuches des Wochenmarktes in der Stadt plötzlich so “komische, gurgelnde Laute” von sich gegeben, aber im selben Moment, in dem beide wieder daheim im Dorf aus dem Bus gestiegen seien, hätte sich das Gurgeln in völlig gesundes Kläffen verwandelt (sie hatte ihm da nämlich das zu enge Halsband gelöst – das aber vergessen, zu erwähnen. PSST, woll!)

buddeWachtmeister Hubert Budde protokollierte: “Nach dem “Ü 30 Silvester” erwachte ich auf der Pritsche einer Zelle meiner Dienststelle. Mir war sauschlecht. Schwach und elend schleppte ich mich nach draußen, um mich zu übergeben. Ich brach zusammen und mein Gesicht geriet in eine Pfütze, die sich in einem tiefen Schlagloch gebildet hatte. Gieriges nach LUFT schnappen errette mich vor dem Ertrinken und erlöste mich von den Qualen einer “Herrengedeck-Vergiftung” schon nach dem zweiten Atemzug! So wahr ich “Hubsi”, der Wahrhaftige, bin!”

So ging das weiter! Eine Parade unglaublichster Phänomene.

“Benno, mein Junge! Nimm noch einen “JW” und lass dir gesagt sein, dies alles, all diese Wunder und Blitzheilungen, kommen von unserer guten Luft. Das ist VERIFIZIERT! Überzeug dich selbst, alter Knabe!” riet Hauke mit der Inbrunst des röhrenden Hirsches in der Brunft.

dieselDas tat der Reporter, denn von all den “Dönekes” und dem lauwarmen Schnaps war ihm schauderhaft schwummrig geworden. Er trat also hinaus ins Freie, um den Wahrheitsgehalt der glaubhaft geschilderten Luftwunder zu überprüfen. In dem Moment, in dem er tief, tiefer, noch tiefer einatmete, raste Knecht Pawel auf dem Trecker mit angehängtem Gülletank der Spelsbergs durch die “Bahnhofsallee” und dem Journalisten geriet eine gehörige Portion Diesel-, Öl- und Gülleabgas in die Lungen. Der resultierende Erstickungsanfall jedoch milderte sich bald in würgendes Husten. Und schon die dritte Schnappatmung der dörflichen Luft, nachdem der straffe Wind das Kaff rasch gelüftet hatte, durchflutete ihn wie Odem der Götter: die Story ist KNORKE!

Wieder in den Redaktionsräumen: “Euch allen werde ich es zeigen! Ich, Benno Kowalski, bin die letzte Festung des investigativen Journalismus. Schluss mit Kaninchenausstellungen und Zuchthennen! Schluss mit Parkvandalen!”

pfeifenSpeziell seinen Eltern, will er beweisen, was für ein Magier der Wörter in ihm steckt. Die hatten sich zwar immer geprügelt wie die Kesselflicker und auch ihn mit einbezogen, aber in einem waren sich Mutter und Vater stets einig: “Benno, du Rohrkrepierer. Du taugst nur zu einem versoffenen Nichtsnutz! Tu uns und der Menschheit einen Gefallen und häng dich auf. Im Keller ist noch ein Balken frei!”

HAH! Pustekuchen, Balken, von wegen! Und haut beseelt die schallend  trompetende Schlagzeile in die Tasten:

“Luftkusswunder im Dorf des Lichts heilen und retten Mensch und Tier”

Morgen gibt es neuen Grund für neuen Kummer. Bis dahin, zio! 

P.S. Bleibt dran Kinners. Teil III bringt Politik ins Spiel.

 

 

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15 Antworten to “Jetzt wird in die Hände gespuckt! – Teil II”

  1. labaera 3. Januar 2012 um 07:50 #

    Moin, moin, dass Erste was ich morgens noch vor! der Zeitung lese, ist Dein neuer blog Eintrag.Nurmalsosagenwill 😉

  2. frankzio 3. Januar 2012 um 08:18 #

    Oh, Danke! Das ist ein sehr süßes Kompliment.
    Die Redaktion hofft, dass du nach – besser während –
    der Lektüre wieder sanft entschlummert bist.
    i.A. Hauke

  3. dienyx 3. Januar 2012 um 09:44 #

    Das Dorf ein Luftkurort? Na da bin ich mal gespannt! Bei der Schlagzeile kann das nur klappen, weiter so Benno!

    • frankzio 3. Januar 2012 um 09:54 #

      Benno hat jetzt ausgespielt! Der Mohr hat seine
      Schuldigkeit getan. Der Mohr kann gehen.
      Der Heimatverein greift die 2. Hürde an!

      Werden die Wackeren erfolgreich sein?

  4. Melancholiee 3. Januar 2012 um 10:04 #

    spannend spannend. Warte dann schon auf Teil 3 und was es mit sich bringt. Aber wie mein Vorgänger schrieb: das kann nur noch gut ausgehen 😉

    • frankzio 3. Januar 2012 um 10:14 #

      Mel, das Schicksal läßt sich nicht verarschen.
      Warten wir ab, was bei rum kommt.
      Jedenfalls geht es VORAN!

      • Melancholiee 3. Januar 2012 um 10:17 #

        „Mel, das Schicksal läßt sich nicht verarschen.“

        das hst du schön gesagt *g*

  5. GG 3. Januar 2012 um 17:27 #

    „Viel von Paralleluniversen gelesen. Versucht hinzugelangen. Hässlicher Sturz.“ (Zitat aus der Literatur, hier in diesem Falle aus dem ‚Tagebuch eines Trinkers‘)

    • frankzio 3. Januar 2012 um 18:11 #

      KNORKE!
      🙂 😉

      aber Benno fällt immer auf die Füße.
      Nie auf die Schnauze 🙂

  6. yuppidu 3. Januar 2012 um 19:01 #

    So nicht, dass muss ich in aller Klarheit hier sagen! Lieber zio, hier wird unterstellt, dass Medien manipulierbar seien und dass nur der Auflage oder der Quoten wegen Objektivität und Wahrheit ins Hintertreffen geraten könnten! Nein, nein, nein! Ich gebe zu, in einigen Bananenrepubliken, Operettenstaaten oder in der tiefsten Provinz könnte dies möglicherweise irgendwann passiert sein, aber nie und nimmer hier bei uns! Eine derartige Aussage ist inakzeptabel und nicht einmal als phantastisches Konstrukt zulässig. Basta! YDu * … sehr ernst, es geht um Prinzipien, um das Heiligste, da sind nicht einmal Späße zulässig … ja…rumor … so was 😦

    • frankzio 3. Januar 2012 um 19:10 #

      Zur Kenntnis genommen.
      Eingangsstempel drauf geknallt.
      Ab in die Ablage. Wiedervorlagedatum: never ever.
      Danach zu den Akten „xyz“ im Archiv.

      • yuppidu 3. Januar 2012 um 20:53 #

        Kann es sein, dass bezüglich der Medien … Nein, das kann gar nicht sein! Die sind doch seriös!? Das Fernsehprogramm, das Wetter, die Hofer-Werbung, … nie konnte ich mich beschweren! Die rätsel, die Horoskope, die Traueranzeigen, … Weit und breit keine Manipulation zu erkennen! Zio, da liegst du falsch, gib es zu! Ydu * .. man muss auch den Mut haben, Fehler einzugestehen, ja …is ja nix Schlimmes .. kann jedem passieren … also 😉

  7. frankzio 3. Januar 2012 um 21:03 #

    Mannhaft, ohne Scheu und Scham würde ich Fehler eingestehen.
    Genau so konsequent wie unser Bundespräsident „Schaf im Wulfspelz“.
    Vorbild der Mann.
    Aber in dem Fall hier, yuppie, liegen ja keine Fehler vor.
    Die Presse manipuliert nicht, nein, Benno wurde manipuliert.
    Das kann doch nicht falsch sein? Oder?
    P.S. Glückwunsch! Erfuhr gerade, dass es zwischen dir und Marie
    wieder funken könnte. Die Arme braucht nun wirklich Trost und Schutz.

  8. yuppidu 4. Januar 2012 um 08:12 #

    Diese kleinen Unterschiede, die du machst, sehr gefinkelt muss ich sagen! Hast wohl immer das letzte Wort, oder liege ich da falsch? Fakt ist, es gibt Bereiche, wo die Zuverlässigkeit der Presse eindeutig gegeben ist und da spreche ich bon der Aldi-Werbung, denn die stimmt immer …. 😉
    Ob bezüglich der Marie Glückwünsche schon angebracht sind? Man wird sehen … Oh, wie so trügerisch sind Frauenherzen, …YDu * dass ich die Presse mal ver …. hihihi

    • frankzio 4. Januar 2012 um 10:06 #

      Da der Eindruck, immer das letzte Wort haben zu wollen,
      unbedingt vermieden werden muss, wird eisern geschwiegen 😐

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