Die Puppenspieler

9 Apr

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Na, alter Jammerlappen. Was macht heute Kummer? Heute!? Junger Freund, die Kleinkunst natürlich!

Schrulligkeit ist dem Sauerländer eigen, er ist deshalb zu wahrer Leidenschaft befähigt: in unserem Fall – THEATER!!

imageSeit DIE ZWEI in ihrer Kindheit den “FAUST” – aufgeführt von einer etwas herunter gekommenen, wandernden Puppenspieltruppe, die sich in das Dorf des Lichts verirrt hatte (vielleicht wollten die sich auch nur vor dem Gerichtsvollzieher verstecken)- erleben und erfahren hatten dürfen, brannten im (damals noch nicht) Bauern Spelsberg und dem (damals noch nicht) alten Hauke das Fieber und die lodernde Leidenschaft für THEATER. 

Anfangs nur Figurentheater! Denn die heimatliche Scholle bot keine Schauspielbühne. Da standen nur Scheunen, Ställe, Silos, Kühe, Melkeimer, Gülletanks, Misthaufen, Berge und Fichten rum.

Samstagsabend konnte “Das Ohnsorgtheater” im Fernseher geglotzt werden (nach dem wöchentlichen Bad), doch weder Henry Vahl als “Der verkaufte Großvater”, noch die ewige Kodderschnauze Heidi Kabel kloppten die Jungs vom Hocker.

Endlich den mittelmäßigen Schulabschluss in der Tasche, pfiffen sie auf Heimat, Haus und Hof und schrieben sich am “Deutschen Institut für Puppenspiel” in Bochum ein, um sich zu Experten in Sachen Figurentheater ausbilden zu lassen.

imageIhre Eltern pfiffen deshalb aus dem letzten Loch und Drohungen wie “ENTERBEN”, “Unsere Söhne sind keine Kasperle”, “Komm nie wieder in mein Haus gekrochen” gingen den zu früh Berufenen daran vorbei, wo keine Sonne hin scheint. Sollen die Köter doch kläffen – die Karawane zieht weiter!

Die Studiengebühren waren happig! Das Studium eisenhart: 6 Tage die Woche von morgens bis abends – Freizeit war fast kategorisch ausgeschlossen! Vier Semester lang!

imageDer Puppenspieler ist ein Allrounder: Autor, Bastler, Beleuchter, Bühnenbildner, Chemiker, Dramaturg, Entwickler, Farbenmischer, Genie, Hasardeur, idealistischer Intendant, jugendlich Jubelnder, kaspernder Kabarettist, Liebender, methodische Marionette, Naturtalent, opernhaft Opfernder, programmatischer Perfektionist, Quasselstrippe, die an Strippen zieht, Regisseur, sprachgewaltiger, schauspielender Schneider von Spezialeffekten, tönend töpfernder Tänzer, universelles Unikum, kassierender Verlierer, Wunderlicher, X wird U, Y geZeichnet… und nagt permanent am Hungertuch!

Diese prallen Lehrinhalte bedeuteten volles Programm, harte Maloche und die beiden jugendlichen Helden schlugen sich anfangs wacker und motiviert.

Spelsberg hatte bald Probleme mit der Sprech- und Stimmlehrerin. Er kriegte das “WOLL” und den kantigen Klang des Sauerlandplatt einfach nicht aus dem Kehlkopf. (die Lehrerin kam übrigens aus Kolumbien und hatte sie nicht alle im Kaffee) 😆

imageHauke haderte mit dem Zeichenlehrer: “Eine Feder! Ich hab dir gesagt, du sollst eine Feder zeichnen! Das ist ein Stock!!” (mit dem Hauke ihn gerne geprügelt hätte)

Genial meisterten die Jungs die Bastelarbeiten mit Holz. Schreinern, Drechseln lag ihnen im Blut und so ein Marionettenkopf war schnell gemacht und bepinselt – doch dann – im zweiten Semester – kam es knüppeldicke: Kostümchen nähen!! Stoff zuschneiden und daraus dann Jacke wie Hose nähen. Das überforderte total!

imageEine Stimmlehrerin, die jede Stunde mit: “Bester Kaffee kommt aus Kolumbien!” eröffnete und die kleine Schülerschar dann zwang, mit zwanzig Kaffeebohnen in den Backen lauthals: “Fischers Fritz fängt frische Fische. Frische Fische fängt Fischers Fritz.” zu brühen – ERTRÄGLICH! Alle sahen dabei aus wie Goldhamster, die ihre Vorratsspeicher spuckend vergolden wollten. (für jede dabei unbeabsichtigt ausgespiene Bohne gab es eine Extra-Frischfischrunde – das zog sich dann, denn der Kaffee aus Kolumbien wurde nicht kalt)

Ein blinder Zeichenlehrer, der, egal, was auf das Blatt gekritzelt war, immer nur Knüppel erkennen konnte oder wollte – ERTRÄGLICH!

Grenzwertig war der Tanzunterricht! (“Ihr müsst tanzen können! Nur so könnt ihr Puppen tanzen lassen!”).

Aber das Nähen von Kostümchen für die Marionetten ging einfach zu weit: “Das soll ein Sultan sein? Jede Vogelscheuche ist besser gekleidet! Das macht ihr nochmal!” dabei hatten sie sich bis spät in die Nacht solche Mühe gegeben.

“Hauke, ich halt das hier nicht mehr aus. Ich bin DOCH kein Puppenspieler und pleite bin ich auch! Ich züchte lieber Schweine, als mir die Pfoten mit dem Nähen von tuntigen Klamotten zu zerstechen!”

“DITO!! Da schreib ich lieber was in die Poesiealben von Mädchen! Ist auch eine brotlose Kunst. Lass uns Leine ziehen!”

Verlorene Söhne kehrten also zügig zurück ins Lichtdorf, wo sie sofort Blödsinn ausheckten. Ein neues Spiel, das schon bald fieberhaft grassierte: Kaffeebohnenweitspucken! Das hatten sie nämlich gelernt. Woll! Na und dann entflammte die Leidenschaft für die Bretter, die die Welt bedeuten – nur als Zuschauer natürlich. Versteht sich von selbst.

P.S. Das DIP hat leider 1991 die Pforten geschlossen und es gibt keine Institution mehr, die Figurentheater so gründlich und umfassend lehrt, wie damals das “Deutsche Institut für Puppenspiel” in Bochum. Puppenspieler ist ein sehr erfüllender Beruf und Figurentheater eine Kunstform die leider an den Rand gedrängt wurde. Kommt aber zurück! Darauf könnt ihr einen lassen!

 

OSTER-PUDELWARNUNG

8 Apr

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Der Anlass ist ernst, sehr ernst!

Aufgrund gewisser, ja, dramatisch TRAGISCHER Vorfälle sieht sich die Sauerländische Hilfsorganisation “Wir tun euch beschützen, Woll!“ (WTEBW) gezwungen, diese dringende Warnmeldung an euch alle zu verbreiten – mit flehender Bitte um Kenntnisnahme!!

HÜTET EUCH HEUTE VOR PUDELN!!! (da steckt nix Gutes drin)

Ein gewisser Dr. Faust latschte gerade eben los, einen Osterspaziergang zu machen. („Vom Eise befreit sind Strom und Bäche“ – von wegen: arschkalt hier) Da läuft ihm doch ein Pudel zu und entpuppt sich schließlich als Mephisto! Ein verführerisches, teuflisches Wesen, aber (Gottseisgedankt) trotzdem saublöde! (und wettsüchtig) 

Doch die Konsequenzen dieser verhängnisvollen Begegnung sind fatal: vergiftete Mutter, erstochener Bruder, gemeucheltes Neugeborenes, erhängtes Gretchen……….

So ein richtiger Schlamassel!!

Deshalb unser Rat: Geht heute besser nicht Spazieren, sondern lieber Kegeln! Da könnt ihr dann “Pudel” werfen, die nur eine Runde und nicht das Leben oder gar das Seelenheil kosten.

NEHMT DAS ERNST!! Sonst wird euch die Gretchenfrage gestellt: Wie haltet ihr`s mit Pudding? WOLL!!!!

Das gilt besonders für Deutschlehrerinnen, die ihren gepeinigten Schülern die Interpretation der „Walpurgisnacht-Szene“ abverlangen und sich dann wundern, wenn es zotig wird!!

Faustdicker Blödsinn ohne hinter den Ohren!

Ach, darf ich es wagen, meinen Arm und Geleit euch anzutragen?

NO GO! jedenfalls an diesem Ostersonntag nicht ohne PUDELMÜTZE  (von Löffelchen gestrickt ) 🙂

Schön albern, was?  ❓

OSTERURLAUB

6 Apr

Bis zu nächsten Dorfgeschichte:

FROHE OSTERN http://tracking.technodesignip.com/?action=count&projectid=642&contentid=17524&referrer=-&urlaction=...

URLAUB! WOLL!   

 

Landbriefträger latschen…

1 Apr

clown_thumbUND TRATSCHEN…

Na, alter Jammerlappen. Was macht heute Kummer? Heute!? Junger Freund, die Verunglimpfung von Beamten natürlich!

Der 2. Weltkrieg katapultierte Alfons Kowalski ins Sauerland. Nach amerikanischer, dann abgeschoben in britische Kriegsgefangenschaft, versuchte er sich, endlich befreit, zunächst im Kohlebergbau. Das Revier bot Arbeitsplätze ohne Ende, doch fast nur unter Tage. Das ist nicht jedermanns Sache.

Wie ein Lauffeuer verbreitete sich dann die Kunde, das arbeitsfähige, kriegsunversehrte Männer für den Weiterbau einer großen Talsperre in den lichten, luftigen Höhen des Sauerlandes gesucht wurden und Alfons warf Hacke und Schaufel in die Kohlengrube, um ab sofort mit neuer Hacke und Schaufel an der frischen Luft zu schuften.

Die Nazis hatten im Land der tausend Berge das erste Konzentrationslager errichtet, in dem politische Gegner, Sozialdemokraten, Kommunisten, ein paar Homosexuelle und Zigeuner die befreiende Kraft der Arbeit verspüren sollten. (Arbeitserziehungslager Hunswinkel)

Die erzieherische Maßnahme hatte die Vernichtung dieses Ungeziefers bei gleichzeitig hohen Nutzen daraus ziehen zum Ziel: baut die Versetalsperre bis ihr verreckt! Das taten sie brav.

Doch die braune Brut kübelte so viel Übel und Leid über die Menschheit, dass es selbst Gott, Ritter, Tod und Teufel zu bunt wurde und diese Alliierten scheuchten das Pack in den Untergrund, wo es noch heute prächtig gedeiht, denn Ratten lassen sich nicht ausrotten.

Die Restdeutschen, die nie etwas von Nazis gehört oder gesehen hatten, sahen sich nach dem Untergang des “Tausendjährigen Reiches” gezwungen, in die in Unschuld gewaschenen Hände zu spucken, um die Spielwiese der bösen Mächte aufzuräumen.

Begonnene Projekte wie Autobahnen (“…aber Adolf hat die Autobahn gebaut…”) und Talsperren und vieles mehr waren endlich zum Abschluss zu bringen und an die Stelle von politischen Gefangenen traten Ex-PW`s (Prisoner of War), die aufbauten und aufschwangen – bis zum Wirtschaftswunder!  (und unsere Frauen selbstverständlich)

Samstags gab es am späten Nachmittag die Lohntüte mit dem Wochensold auf die Hand und die Jungs, die 6 Tage lang gehackt, geschüppt, gesägt und gerodet hatten, wurden auf den Ladeflächen von LKW`s in die relativ nahe gelegene Stadt Lüdenscheid gekarrt. Ein Städtchen mit einer erfreulich und erstaunlich hohen Kneipendichte, in der pralle Lohntüten freundlich empfangen wurden.

Im “Hackepeter”, sehr angesagtem Tanzschuppen, lernte Alfons die “Christel von der Post” kennen, lieben u.s.w. …

Christel entstammte einer Familie, die schon seit drei Generationen im Staatsdienst stand, mit dem Spezialgebiet: Postwesen. Was anderes kam in diesem Stamm nicht in die Tüte oder gar ins Ehebett!

Ihr Alfons legte also wieder einmal Hacke und Schaufel nieder und trat beamteten Dienst als “Postschaffner” an. So hießen die Postboten damals, heute kurz “Zusteller” (“The times, they are a changing”).

Und marschierte jeden Tag 45 Kilometer, bei Wind und Wetter, Eis und Schnee, brennender Sonne und gewitternden Platzregen, bergauf, bergab, auf einsamen Landstraßen, Feld- und Waldwegen von Gehöft zu Gehöft, Dorf zu Dorf, den Koffer prall gefüllt mit POST! Stets empfangen wie ein Fürst und bewirtet wie Gott in Frankreich. Verhältnismäßig schlank blieb er nur, weil er soviel latschen und schleppen musste. Oh, diese Kataloge der boomenden Versandhäuser!

Noch bedrückender waren die Rentenauszahlungen, die ihm aufgebürdet waren. Anfangs hatte das richtig Freude gemacht, denn die Empfänger zeigten sich immer sehr spendabel, aber einmal – war sogar ein Freitag der 13. – griff das grauende Entsetzen nach ihm, als er feststellen musste, die Geldtasche mit rund 2000 DM irgendwie verloren zu haben. Auf jedem Hof, in jedem Haushalt ein, zwei, drei Körnchen in Ehren machen schusselig. Woll!

Selbstverständlich tauchten die Renten noch am selben Tag wieder auf. Da fehlte kein Pfennig und der Finder, ein Waldarbeiter, war überglücklich Alfons diesen Dienst leisten zu können. Landbriefträger werden sehr geschätzt im Sauerland, denn sie halten auf dem neuesten Stand und verbreiten Tratsch und Klatsch, die das Leben würzen. Post ist nicht so wichtig. Sind eh meistens Rechnungen oder Hiobsbotschaften.

Seit diesem Schicksalstag aber, hatte Alfons Heidenangst vor der Geldtasche und spendete 10 Kerzen in der Kirche, als die Rentenauszahlungen auf Banküberweisungen umgestellt wurden. Überhaupt besserte sich alles für ihn. Sein Bezirk wurde zwar flächenmäßig verdoppelt, aber er bekam ein Auto, um seinen Job zu erledigen. Schusters Rappen war vorbei! Heiliger Sohle sei Dank! Ging ihm langsam auf den Rücken die Wuchterei des Postkoffers über tausend Buckel, Hügel und Berge. Ab sofort nur noch gemütliches Zockeln im kuscheligen Wagen durch die Landschaft.

SCHNITT !!

“Sach mal Alfons, geht es dir nicht gut? Du siehst irgendwie so quittengelb aus!” fragt Wirt Schorsch seinen Gast, der gerade eben in die “Dorfschänke” gewankt kommt. “Richtig nach Post-Scheiße siehst du aus!”

Der Arme stammelt, mühsam Tränen unterdrückend: “Komm gerade vom Arzt. Routineuntersuchung! Wisst ihr, was der mir verordnet hat?”

Kann ja keiner wissen!

“VIEL BEWEGUNG AN DER FRISCHEN LUFT!!!!!!!!” und bricht in erschütterndes Schluchzen aus. Die anderen lachen wie die Geier.

Der Arzt ist eine Marke, woll! Posthumanmediziner, halt!

 

 

Wurst- und Eierlotten

31 Mrz

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Na, alter Jammerlappen. Was macht heute Kummer? Heute!? Junger Freund, Glücksspiele natürlich!

http://tracking.technodesignip.com/?action=count&projectid=642&contentid=6533&referrer=-&urlaction=r...Die Lichtdörfler im Sauerland sind stets darauf erpicht, ihre spärliche Freizeit abwechslungsreich, unterhaltsam und intellektuell anspruchsvoll zu gestalten: Skat dreschen, Kegeln oder “Schocken” in der “Dorfschänke” – jahrein, jahraus!

thumbnailCAR2U044Die Ü50-Generation vertreibt Zeit und Langeweile mit einem einfachen Spiel mit drei Würfeln. Die niedrigste Augenzahl verliert und der Spieler bekommt einen Bierdeckel. Wer zuerst fünf Deckel erwischt hat, ist der Verlierer und muss eine Runde ausgeben, Bier oder Schnaps.

http://tracking.technodesignip.com/?action=count&projectid=642&contentid=6541&referrer=-&urlaction=r...Die verschärfte Regel sieht vor, dass jeder der plötzlich drei Getränke vor sich stehen hat, eine Lokalrutsche schmeißen muss. Zwei, drei Trottel erwischt es immer, denn “Schocken” ist schnell und Wirt Schorsch ein Rapido-Zapfer und es gibt Schweinehunde, die eine Zwischenrunde spendieren. Das läppert sich dann mit den Gläsern, die da unerwartet überraschend –Zack- vor einem stehen.

Nach der zehnten Spieleinheit sind dann alle geschockt und reif für die Heia.

Die Älteren spielen Skat, die Jüngeren lungern am Kicker, Flipper oder Daddelautomaten rum. Kegeln gönnt man sich nur einmal in der Woche. Zu anstrengend und teuer!

http://tracking.technodesignip.com/?action=count&projectid=642&contentid=20563&referrer=-&urlaction=...Die aus Bottrop zugezogene Witwe Alwine Rosag war mit dem vorgefundenen Freizeitangebot unzufrieden und heckte gemeinsam mit Pfarrer Ewald und Schorsch ein nach Sauerlandart umgemodeltes Bingo aus: Wurst- und Eierlotten! Ein Vergnügen, das die Dörfler blitzartig süchtig machen sollte.

Der Festsaal ist rammelvoll! Fieberhafte Erregung und Spannung flirren.

thumbnailCA2UIQ4B“Ich erklär euch die Spielregeln noch einmal! Ihr habt alle Spielkarten gekauft und kreuzt darauf dann die Zahl an, die gerade ausgerufen wird, wenn sie auf einer eurer Karten aufgedruckt ist. Zeile voll: WURSCHT! brüllen. Der hat dann eine Mettwurst gewonnen!

Spalte voll: EI! brüllen. Der hat dann ein gekochtes Ei gewonnen!

Ganze Karte voll: BINGO! brüllen. Der hat dann das Wurstpaket und den Korb mit Eiern gewonnen. AUF DIE PLÄTZE! FERTIG! LOS!” predigt Pfarrer Ewald und läßt eine Pfeife ertrillern.

Das Ziehen der Zahlen ist Schezzi übertragen, Töchterlein des Kioskbesitzers “Pakistani”, der, vor väterlichem Stolz strotzend, 15 Lottoscheine erworben hat.

Bennie, in polierter ACDC-Lederjacke und die Mähne zu einem Pferdeschwanz gebunden, mimt den Conferencier. Bauer Spelsberg und Gattin Herta, die Eltern des Bengels, haben sich nicht lumpen lassen und Zahlenkarten in Stapeln vor sich ausgebreitet liegen.

http://tracking.technodesignip.com/?action=count&projectid=642&contentid=6540&referrer=-&urlaction=r...Die Ziffern schwirren wie wild gewordene Wespen durch die elektrisierte Kneipenluft. Die Zocker-Gemeinschaft steht kurz vor einem epileptischen Anfall, denn die Anforderungen, die das Spiel an die Koordination von Ohr, Auge und Hand stellt, überstrapazieren die Hirnsynapsen bis zum Durchbrennen.

Mettwürste und Eier werden reihen- und spaltenweise gewonnen.

BINGO!!!!!!!

Oma Trine und ihr Dackel Waldi sind außer sich vor berauschendem Glück! GEWONNEN und Mettwürste für 14 Tage und Frühstückseier, die bunt bemalt sind. Freudentränen fließen und Freudengebell erkläfft!

Alle anderen gucken enttäuscht und ernüchtert in die Röhre. 

Der alte Hauke rechnet: “Eine Mettwurst und zwei Eier. Scheine hab ich für zehn Euro gekauft. Da hab ich wohl verloren! Was soll`s! Hat Spaß gemacht! Hauptsache!”

Nach der Siegerehrung räuspert sich Pfarrer Ewald und beginnt:

“Liebe Gemeinde, wie ihr alle wisst, habe ich einen Sprung in der Glocke! Hahaha, nicht in der Schüssel, woll! Darum scheppert die Glocke unserer wunderschönen, romanischen Dorfkirche und klingt irgendwie Scheiße.

Der Erlös dieses schönen Abends wird von mir genutzt, eine gebrauchte Neue zu kaufen, nur 250 Jahre alt und in gepflegtem Zustand. Sollte das eingenommene Geld nicht reichen, dann wiederholen wir das Ganze und setzen wertvolle Sachpreise aufs Spiel. Die “Christlichen Landfrauen” häkeln und stricken und basteln bereits fleißig! Das war`s für heute. War doch knorke? Woll!”

Waldi schmatzt begeistert an einer Mettwurst rum. Alle anderen pellen ein Ei. Neue BIMMBAMM durch BINGO! Das hat was!

P.S. Ist schon klar! Zu viele Zappelbildchen! Gelobe Besserung! Ehrlich! Obwohl ich die so niedlich finde. ACH! Herje!

Der Student und die Vermieterin

30 Mrz

eine nicht immer unproblematische Beziehung !!! OHA!!

thumbnailCASLUAT5Ein Student, der Studienfach und Ort wechselt wie ein Bauer im Sauerland seine Wäsche – einmal Frühling/Sommer, einmal Herbst/Winter- darf nicht darauf spekulieren, sofort wieder ein Wohnklo im Studentenheim der neuen Universität zu ergattern, wird also warten müssen bis er auf die “Pole Position” der Nachrücker-Liste rutscht und ist  in der Zwischenzeit genötigt, für ein Weilchen auf den freien Mietmarkt zurück zu greifen. 

thumbnailCAOQCI6DDiese Übergangslösung geht natürlich schief, denn während im Wohnheim kein Hahn nach der Einhaltung der Pro-Forma-Hausordnung kräht, kreischen Privatvermieter schrill nach Befolgung des Regelwerks – die weibliche Spezies (Vermieterin) geradezu behandlungsbedürftig hysterisch: TREPPENHAUS PUTZEN!!!!!!!

Die Klingel spielt verrückt. Infernalische Tritte und Faustschläge gegen die Eingangstür. Rufe! Schreie! Noch mehr Tritte gegen die Tür!  In aller Herrgottsfrühe – kurz nach 12 Uhr!

Der Pfingstochse, seit kurzem Student irgendwelcher Geisteswissenschaften, löst sich langsam aus dem Koma, in das ihn eine Forschungsreise durch die Kneipenszene der Universitätsstadt Bielefeld versetzt hatte.

Was ist los? Weltuntergang? Das Klingeln, Poltern und Brüllen geht immer wütender weiter. Es besteht dringender Handlungsbedarf. Nur gut, das er noch angezogen ist, ungekämmt zwar, aber angemessen gekleidet. Sogar noch mit Schuhen an den Füßen. 

imageTür auf! Und da tobt SIE, die hetzende Furie aus der Hölle: “Herr Z.! Sie haben wieder die Treppe nicht geputzt! Das dulde ich nicht länger!” und fuchtelt mit einer Taschenlampe rum, die geeignet ist, mit ihrer Leuchtkraft die Sonne zu blenden.

“Was sehen Sie da?”

“Nichts, Frau, Ähhh, gar nichts. Guten Morgen erst mal. Die Miete für diesen Monat hab ich gestern überwiesen. Bisken spät – aber haben Sie ja bald in Händen, woll!”

“DRECKNESTER!! In den Ecken der Stufen haben sich DRECKESTER angesammelt! Sie müssen das sorgfältiger machen. Wir haben es so schön und sauber und ruhig hier im Haus!”

image“Also Krach mach ich nicht Frau, Ähh,… Schauen Sie, ich hab die Treppe erst gestern gewischt.” auf einen Eimer zeigend, der im Flur steht, gefüllt mit schwarzem Brackwasser, das leise müffelt (…in den Kesseln, da faulten die Wasser…) “Ich zeig Ihnen mal meine Putztechnik!” taucht den Wischmopp hinein: “Zuerst reinige ich das Flurlicht…” Entsetzensschreie!!! Dann eisiges Schweigen…

imageEr hatte mit dem dreckwassergetränkten Mopp auf die Decke gewiesen – unglücklicherweise auf die Stelle unter der die Vermieterin steht. Ihre frische Frisur ist plötzlich, aber unbeabsichtigt ruiniert. Sie ist bedröppelt. Und fassungslos. “DAS! DAS! geht zu weit…. Das hat ein Nachspiel, Herr Z.! Das war Absicht!!” und faucht davon.

Bei diesem Unfall war wirklich keine böse Absicht im Spiel. Übereifer, mehr nicht! Aber das würde die Zicke nicht glauben und ihm das Leben in ihrem Haus jetzt erst richtig höllisch machen. Es ist zum Verzweifeln!!

Doch wenn du glaubst es geht nicht mehr, dann kommt von irgendwo ein Lichtlein her. Der Postbote bringt frohe Botschaft: Appartement 347, Wohnheim Morgenbreede. Sofort bezugsfertig! Auf und davon. Jetzt konnte das Studium richtig losgehen. Puh! War das knapp!

Im Mietvertrag mit Frau, Ähh, hatte gestanden: bei Auszug besenrein zu hinterlassen. Er konnte in kürzester Zeit genug Staub mühelos zusammen kehren, um daraus den Abschiedsgruß:

KISS MY ASS

zu formen – schön mittig auf dem Boden des Zimmers.

Der Sauerländer und die Wunschfee

29 Mrz

Es war einmal ein Sauerländer, der ging mit seinem Rucksack voller Bütters (Pumpernikel mit Butter und grober Leberwurst belegt, Bier selbstverständlich auch am Mann) in einen der tausend Berge seiner Heimat, um blöde Erzzwerge zu fangen.

thumbnailCARV1GQ3Erzzwerge waren schäbige, kleine Kerlchen, die unermüdlich abgestumpft Stollen gruben und beharrlich den Bauch der Mutter Erde in alle Himmelsrichtungen durchbohrten, getrieben von der gierigen Suche nach Eisen und Kupfer. Dies taten sie unter der Fuchtel einer bösen, bösen Koboldin, der sie hörig waren, denn die Schreckliche würzte die Leibspeise der Wühler, Stinkmorcheleintopf, mit Fliegenpilzen, die ein wenig Licht in die Düsternis ihrer bleischweren Hirnchen leuchteten.

thumbnailCAIHXYT6Wirklich Bock auf den Knochenjob hatten sie allerdings nicht, da die Arbeitsbedingungen, diktiert von der grausamen KOBOLDIN, schier unerträglich waren: drei Schichten, 7-Tage-Woche, null Urlaub, 5 Minuten für jeden Zwerg pro Schicht, um aufs Klo zu gehen, 3 Minuten Pause, in der abgefüttert wurde (Weihnachten 2 Minuten), Exekution im Krankheitsfall und wochenlanger Fliegenpilzentzug, wenn das Soll nicht erfüllt war – darum ließen sie sich einfach, ja, gerne, fangen. Das war kein Akt! Falle aufgestellt, Zack, war einer drin!

thumbnailCA6F1GMENun musste der hässliche Erzzwerg nur noch aufwendig kosmetisch behandelt und aufgemotzt werden, ein wenig Dressurarbeit und schon hatte der Sauerländer einen schicken Gartenzwerg oder ein Wichtelmännchen. Manche Exemplare ließen sich sogar zu Heinzelmännern formen – die brachten auf dem Markt in der Stadt dann drei Taler pro Stück ein, ein Vermögen!

Doch das Glück schien unseren Jäger verlassen zu haben!

thumbnail45In der ersten Falle: Borkenkäfer!

In der zweiten Falle: Borkenkäfer!

In der dritten Falle: Borkenkäfer!

Nicht ein einziger Erzzwerg hatte sich von den sonst so wirksamen Ködern, Honig- und Marmeladenbrote, anlocken lassen! Nur dieses Krabbelgetier, das plötzlich, einer fürchterlich schmerzenden Analthrombose gleich, die Wälder erobert hatte und vernichtend über die Bäume herzog und diese in Sägemehl kauten, bohrten, schissen.

thumbnailBorkenkäfer ohne Ende! Die Holzbohrer und die Erdbohrer teilten anscheinend nichts. Die Erzzwerge wühlten, hauten und malochten lieber bis zu ihrer Hinrichtung unter Tage, als in eine Falle zu gehen, in der dieses Ungeziefer wimmelte. Shit happens! und der Sauerländer zog von Falle zu Falle. Frustration auf Frustration folgten Frustrationen.

thumbnailCA3YHLJAVerdammte Hacke! Mit modifizierten Erzzwergen hatte er seinen Lebensunterhalt verdient. In seiner Klause häuften sich die Bestellungen: zwei Dutzend Gartenzwerge für den Herrn Grafen, 10 Heinzelmännchen für die werte Gemahlin des Königs…. Die Ware war bereits angezahlt worden und er hatte die Taler beim Würfeln mit ein paar vagabundierenden Zigeunern in einer Dorfschänke verzockt. Der Schuldturm drohte! Schmach und Schande! Das Leben eines Ausgestoßenen, eines Versagers. NEIN! Auf keinen Fall!

Der Sauerländer an sich ist ein edles, stolzes Wesen, das nur in Ausnahmefällen nicht hält, was es verspricht. Er würde seinem drohendem Elend also ein Ende bereiten müssen. Aber wie? So etwas tut weh, macht Dreck und Scherereien für diejenigen Leute, die den Schlamassel danach auf- und ausputzen müssen.

Ins Wasser gehen? Zu nass und kalt! BRRR! Und Wasser schmeckt nach nix – nicht mal mit Teeblättern drin.

Erhängen? Das hatte was! Ihm war zu Ohren gekommen, das der Gehängte einen letzten Orgasmus erfahre, wenn ihm die Seele aus den Ohren zur Hölle fahre. Ein gewaltiger, überirdischer Abgang sollte das sein, so war ihm aus verlässlicher Quelle, vom Scharfrichter der Region, versichert worden. Aber er hatte in den letzten Jahren an Körpergewicht zugelegt und keinen Pfifferling mehr in der Tasche, um sich ein geeignetes, reißfestes Stahlseil beschaffen zu können. Kredit hatte er schon lange nirgendwo mehr.

Erfrieren! Das sollte angeblich ein angenehmer Tod sein. Ein friedliches entschlummern. Zwei Flaschen Doppelkorn, einschlafen und als Engel auf Wolke SIEBEN erwachen, mit Flügeln und Harfe und Hallelulja! Jedenfalls hatte sich bis jetzt noch kein Erfrorener beklagt oder gar gerichtliche Schritte eingeleitet, um gegen diese Behauptung Einspruch zu erheben. Musste also was dran sein!

Doch es war Frühling – ein warmer Frühling.

Vergiften mit Kräutern lag nun eigentlich nahe. Das Giftzeug sprosste hier überall. Aber das war ein peinsames Sterben. Zwar werden wir unter Schmerzen von unseren Müttern ins Leben geboren, um nach einigen beschwerlichen Jährchen unter Schmerzen, die wir nun scharf erleiden, wieder daraus zu scheiden, aber Vergiftung überschritt die Grenzen der tolerierbaren Pein.

Derart in die mutige Planung seiner nahen Zukunft vertieft, kam der Sauerländer auf den Freudenberg. Hier hatte er vor drei Monaten eine Testfalle aufgestellt und diese fast vergessen. Hörte sich vielversprechend an, was er da erlauschte, als er näher kam: Keuchen und Stöhnen! Borkenkäfer sind lautlos.

thumbnailCACFDX61In dem Behälter fand sich ein auf dem angefressenen Honigbrot wild kopulierendes Märchenpärchen. Ein Erzzwerg, Prachtexemplar im besten Alter, bockte auf einer Elfe, die allerdings genervt und gelangweilt wirkte, während der Wühler begeistert rammelte. Glück muss MANN haben, woll! Der Kerl brachte locker drei Taler, die Elfe mindestens zehn! Die Rettung – fürs erste.

Erschöpft ließ sich der Zwerg nach einem letzten Aufgrunzen von der Elfe ins weiche Brot fallen und fummelte in den Taschen der herunter gelassenen Hose nach einer Zigarette. Nach dem ersten, tiefen Zug ging ihm allerdings auf, das er Unterlippe/Oberkante in Schwierigkeiten steckte, denn eine grobe Riesenhand griff nach ihm und steckte das zappelnde Kerlchen in einen Sack. Die Elfe blieb cool und richtete ihr zerzaustes Haar – an der Bekleidung war nichts mehr zu richten.

fee1“Danke, Alter! Diese geilen Zwerge sind eine echte Plage. Seit Wochen habe ich den schon am Bauch kleben. War am Anfang ganz nett, aber dem fällt nix Neues ein. Kommt immer früher und Zigaretten für danach hat er auch nur noch zwei. Zeit, die Fliege zu machen. Nochmals. danke schön! Und schlag dir aus dem Kopf, mich für dumm oder überhaupt zu verkaufen. Ich bin Elfe mit Diplom “Wunschfee”, ich kann zaubern und Judo und Karate. Vergiss es! Aber einen Wunsch, nur einen, gewähre ich dir. Kein Verhandlungsspielraum!”

Wer glaubt,ein Sauerländer denke langsam, weil diese Geschöpfe in wogenden Fichtenwäldern ohne Coca Cola, Currywurst und sonstigen Zivilisations-Tand hausen, bei dem ist der Groschen noch nicht gefallen. Unserem Stammesmitglied war sofort klar, was für eine Riesenchance ihm da in die Honigfalle gegangen war: “Ich wünsche mir, das mir jeder Wunsch erfüllt wird! Sonst nix!”

Den Sternenstab geschwenkt bis funkelnde Schnuppen wie aus einer Wunderkerze sprühend rieseln: “Alles klar! Kein Problem! Schon erledigt! Was wünscht du dir jetzt?”

“NIX! Gar nix! Überhaupt nix! Was ist ein Wunsch überhaupt? Nie gehört davon!”

“Ich hab dich einfach wunschlos gezaubert bis an das Ende deiner Tage – mehr nicht! Vertrag erfüllt. Wir sind quitt!”

So ein raffiniertes Luder! Das ersparte ihr nämlich jede Menge Arbeit, blieb jedoch eine fragwürdige Interpretation des Wunsches, den der Sauerländer ursprünglich gehabt hatte – war ja -PÄNG- Schluss damit! Erfüllung aller Wünsche durch herbeihexen totaler Wunschamnesie, die keine Wünsche aufkeimen ließ – da gab es in der Märchenwelt noch keine Präzedenzfälle und Anwälte waren zu der Zeit noch nur Stinkmorchel. Einzig gut für Eintopf. 

Da muss endlich mal Rechtssicherheit her! Geht das? Wetten, nicht! Denn leider endet nicht jedes Märchen happy.

Nun, liebe Kinder, gebt also fein acht, wenn ihr auf Feen trefft und denkt daran, das sich die schönsten Wünsche nie erfüllen und Erzzwerge endlich eine Gewerkschaft gründen sollten, woll!

Gute Nacht, ihr Herzchen!   Herz Schlaft schön und träumt gar fein von wunderlichen Märchenwesen, die in einer Borkenkäferfalle auf der schimmelnden Marmeladenstulle Unzucht treiben. Das hat Heilkraft. WOLL!